Igel helfen

Obwohl der Igel Bestand nicht gefährdet ist, geraten immer mehr dieser possierlichen Säugetiere in Not. Sie finden immer weniger natürlichen Lebensraum, der ihnen ausreichenden Schutz bietet. Die Nahrungsquellen versiegen. Und immer mehr der Stacheltier fallen dem Rasenmähroboter zum Opfer, allzu häufig werden Igelchen auf der Straße überfahren. Dabei sind die Nachtaktiven gern gesehene Gäste im Garten. Sie sind Insektenfresser und minimieren in vielen Gärten so manches Kleingetier wie Käfer, Ohrkäfer und Kellerasseln. Außerdem verputzen die niedlichen Racker Würmer und Maden von Fallobst, das auf dem Boden liegt. Möchten Sie dem Igel helfen, gibt es viel, was Sie tun können, denn ihre Not ist oft groß.

Lebensweise vom Igel

Das heimische Wildtier stellt keinerlei Gefahr da, fällt weder über Ihre Gartenpflanzen, noch über Ihr angebautes Obst und Gemüse her. Lebt das Säugetier bei Ihnen im Garten, werden Sie seine Anwesenheit kaum wahrnehmen. Es sei denn, eins der Tiere ist in Not. Sehen Sie tagsüber ein Exemplar im Garten, ist dies sehr wahrscheinlich und Sie sollten dem Igel helfen.

Dieser Igel wurde am Tag gesichtet und braucht Hilfe

Einzig, wenn sich zwei Igelchen streiten, in Paarungslaune befinden oder genüsslich am Fressen sind, können Sie mit etwas Glück genüssliches Schmatzen, Kecken oder Fauchen aus Ihrem Garten vernehmen.

Igel sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger, dämmerungsaktiv, nachtaktiv. Etwa ab November ziehen die Stacheligen sich zum Winterschlaf zurück. Vorher sind die Säuger verstärkt in der Dämmerung und in der Nacht auf Nahrungssuche unterwegs.

Den Winterschlaf verbringen die Tiere meist in kleinen Bauten, die bereits im Herbst mit Laub ausgekleidet werden. Der Winterschlaf wird aber auch in gut schützendem Totholz gehalten.

Im Alter von 6 bis 12 Monaten sind Igel geschlechtsreife. Die Tragezeit dauert etwa 48 Tage an. Zwischen dem 12. und 24. Lebenstag öffnen die keinen Igelbabys die Augen. Bis zur 8. Lebenswoche säugen die Jungtiere Muttermilch und beginnen, festes Futter aufzunehmen. Bei einem Igelwurf erblicken zwischen ein und elf Igelchen das Licht der Welt.

Igel helfen im Garten - viele Tipps für Ihren Gartenbewohner

Welche Gefahren für Igel gibt es?

Die kleinen Stachelträger sind Fluchttiere und benötigen einen Lebensraum, der ihnen schützende Zuflucht bietet. Insbesondere Jungtiere und erkrankte Tiere haben viele natürliche Feinde, zu denen Fuchs, Iltis, Luchs, Dachs, Marder, Uhu und Habicht zählen.

Zwar können sich Igel bei Gefahr zu einer Kugel zusammenrollen und mit ihren Stacheln Feinde abwehren. Findet ein natürlicher Feind des Igels jedoch Zugang zum unbestachelten Bauch, weil der Igel sich nicht vollständig zur Kugel zusammenrollen konnte, unterliegt der Igel meist seinen Feinden.

Zusammengerollter Igel schützt sich durch aufgestellte Stacheln

Die größte Gefährdung geht jedoch durch uns Menschen aus. Sei es, dass wir ihren natürlichen Lebensraum einschränken, im Garten Schneckenkorn ausstreuen, einen Mähroboter zum Rasenmähen laufen lassen oder wir beim Autofahren den Igel am Straßenrand übersehen.

Die beste Igelhilfe: Beseitigung von Gefahren

Der beste Schutz für die süßen Stacheligel ist es, im Garten Gefahrenquellen zu verhindern. Im besten Fall kommen Ihre Gartenigel dann gar nicht erst in Gefahr und brauchen keine Hilfe.

Rasen mähen ohne Igel zu gefährden

Verzichten Sie möglichst auf den Betrieb eines Mähroboters. Falls das aus irgendwelchen Gründen nicht in Frage kommt, bitte nicht nach Einbruch der Dämmerung mähen. Vor allem in den Abendstunden sollte der Mähroboter auf seinem Parkplatz bleiben, denn dann werden die süßen Racker aktiv.

Während Ihr Rasenmähroboter sich tagsüber um die Rasenpflege kümmert, können Sie es sich im Gartenstuhl gemütlich machen und aufpassen, dass kein Igel angefahren wird. Kranke und junge Tiere tippeln auch schon mal am helllichten Tag über den Rasen und sind meist geschwächt und hilfsbedürftig, was wiederum die Verletzungsgefahr durch den Mähroboter erhöht.

Vorsicht beim Zaun: Igel können darin stecken bleiben

Wollen Sie einen igelfreundlichen Garten gestalten, ist wichtig zu wissen, dass Zäune Lebensgefahr bedeuten. Wo der Kopf durch passt, passt leider kein ganzer Igel durch. Die nachtaktiven Tierchen bleiben häufig unbemerkt zwischen dem Zaun stecken und verenden qualvoll.

Das lässt sich verhindern, indem im Zaun igelfreundliche Durchgänge geschaffen werden. Graben Sie an mehreren Stellen des Gartenzauns etwa 10 Zentimeter tiefe Löcher mit einer Breite von 12 cm.

Faustregel: Passt Ihre Faust mit ausgestrecktem Daumen hinein, ist der Igeltunnel groß genug.

Eine Alternative ist das Anbringen eines feinmaschigen Netzes, welches eine Höhe von 20-30 Zentimeter aufweist und vor den Zaun gespannt wird. So lässt sich verhindern, dass die nachtaktiven Wanderer versuchen, sich durch den Zaun zu quetschen. Auch mit Rabbits (Hasendraht) kann die Gefahrenquelle Gartenzaun entschärft werden.

Drahtenden und spitze Kanten müssen eingekürzt werden, um die Verletzungsgefahr auszuschließen.

Falls Befürchtungen bestehen, dass der eigene Hund vom Grundstück ausbüxt oder fremde Hunde sich durch Tunnel Zutritt verschaffen, kann auch ein Stahlrohr als Igeltunnel unter dem Zaun als Durchgang eingegraben werden.

Kein Schneckenkorn im Garten einsetzen

Einerseits nehmen die Stacheltiere Schneckenkorn selbst auf, aber auch durch das Fressen von Schnecken können Igel vergiftet werden. In einem igelfreundlichen Garten hat Schneckenkorn deshalb nichts zu suchen. Gleiches gilt für Rattengift, künstliche Düngemittel und Pestizide, die zudem auch noch den Insektenbestand minimieren.

Gefahrenquelle Gartenteich – sicher machen für Igel

Wasser im Garten ist für die stacheligen Gartengäste gefährlich, wenngleich Teiche und Wasserschalen zum Trinken genutzt werden. Zwar können Igel einigermaßen gut schwimmen. Schwierig wird es aber, wieder aus dem Wasser herauszukommen. Schaffen Sie flache Uferbereiche und oder legen Sie ein flaches Holzbrett oder eine Hühnerleiter als Austiegshilfe in Gartenteich oder Wasserschale. Kellerschächte und Regentonnen sollten mit einer Plane oder einem Deckel verdeckt oder mit einer Austieghilfe versehen werden.

Igelschlafhaus und Igelunterschlupf bauen

Machen Sie Ihren Garten zum Igelschutzraum. Bauen Sie ein Igelschlafhaus aus Holz oder legen Sie aus Steinen, Gehölz und Laub einen Igelunterschlupf an. Igelschlafhäuser werden Dachpappe von oben vor Nässe geschützt und stellen ein tolles Winterquartier dar.

Idealerweise wird für das Igelhaus ein Platz ausgewählt, an dem wenig Action im Garten stattfindet und der auch Wetterschutz bietet. Der Winterschlaf dauert bis Ende April. Bis dahin sollten Gartenarbeiten rund um das Igelquartier nicht stattfinden.

Moos, Laub und getrockneter Grasschnitt werden dankbar als Polsterung und wärmendes Material angenommen.

Am besten eignet sich zum Aufstellen eines Igelhäuschens ein abgelegner Gartenbereich, zum Beispiel in einer dichten, undurchdringlichen Hecke aus heimischem Gehölz, die nicht zur Straße hin wächst. Trägt die Hecke Dornen, ist das perfekt. Dornige Hecken halten Igelfeinde ab. Der Igelschlafplatz sollte unzugänglich für Ihre Haustiere sein, damit Sie dem Igel helfen, in Ruhe seinen Winterschlaf verbringen zu können.

Auch der Komposthaufen kann als Igelnest genutzt werden, wenn in den Kompostes ein etwa 12×12 Zentimeter großes Einschlupfloch gesägt wird. Vorsicht beim Abtragen vom Kompost, damit kein Tier verletzt wird.

Mit nektarreichen Gartenpflanzen Igel in den Garten locken

Am einfachsten können Igel in den Garten gelockt werden, wenn das Nahrungsangebot stimmt. Durch naturnahes Gärtnern lassen sich üppige Nahrungsquellen für Igel schaffen.

Auf dem natürlichen Speiseplan steht proteinreiches Fleisch als energiereiche Nahrungsquelle. Genauer gesagt: Schnecken, Insekten, Würmer, Maden, Käfer, Larven, Ohrenkneifer, Engerlinge.

Heimische Blühpflanzen und ein blühendes Staudenbeet sind eine enorm wichtige Nahrungsquelle für Insekten, die wiederum dem Igel helfen, sich vor dem Winterschlaf schön satt futtern zu können.

Staudenpflanzen im Herbst nicht zurückschneiden, sondern stehen lassen. Nach wie vor stellen die vertrockneten Stauden Schutzraum und Nahrungsangebot für Insekten dar und somit ist auch der Futternachschub für die Gartenigel gesichert.

Igelfütterung: Hungerndem Igel helfen

Normalerweise ist eine Igelfütteurng kaum notwendig und auch nicht sinnvoll, wenn die kleinen Fleischfresser in Ihrem Garten ausreichendes Futterangebot haben. Allerdings tippeln die stacheligen Insektenfresser in einem relativ großen Gebiet mit einer Fläche von ca. 100 Hektar umher. Es kann sich also auch mal ein hungriges Tier in Ihren insektenfreundlichen Garten verlaufen, der dringend gefüttert werden muss.

Wann Igel füttern?

Im Frühjahr nach dem Winterschlaf und im Herbst, wenn das Insektenangebot knapp wird, können Igel gefüttert werden. Aus dem Winterschlaf erwacht, haben die Insektenfresser deutlich an Gewicht verloren und großen Hunger.

Entdecken Sie ein abgemagertes Tier, erkennen Sie dies am Igelknick, der auch als Hungerknick bezeichnet wird. Zwischen Kopf und Körper ist eine deutliche, nach unten eingefallene Delle zu sehen.

Bevor Igel in den Winterschlaf gehen, sollten Jungtiere mindestens ein Gewicht von 500 Gramm auf die Waage bringen. Erwachsene Igel haben ein Idealgewicht von 1000 Gramm. Untergewichtige Igel sind meist auch stark von Insekten, Zecken sowie abgelegten Fliegeneiern befallen und benötigen dringend kompetente Hilfe.

Dieser Igel hat bereits einen leichten Hungerknick

Ein (leider) besseres Foto eines ausgehungerten Igels mit Hungerknick können Sie sich bei Igelpaten.de ansehen, wo es auch viele sachkundige Erste Hilfe Tipps für Igel gibt. Dort gibt es auch die Möglichkeit, einen Fundigel zu melden und Hilfesuchende erhalten Unterstützung bei der Suche nach einer erfahrenen Igelpflegestelle. Die Igelpaten freuen sich, wenn die Pflegestelle für den Notigel mit einer kleinen finanziellen Hilfe unterstützt wird, damit die Igelhelfer nicht alleine auf den Kosten sitzen bleiben.

Mit was kann man Igel füttern?

Hier verweisen wir für ausführlichere Informationen an Igelhelfer, die sich super auskennen und wissen, wie es geht. Empfohlen wird beispielsweise:

  • 30 g Hackfleisch ungewürzt anbraten zum Füttern
  • 1 Rührei ohne Gewürze in Pflanzenöl zubereiten
  • 100 g Katzenfutter aus der Dose mit 2 Esslöffel Haferflocken

Anstelle von Haferflocken kann ein Esslöffel Weizenkleie oder 2 Esslöffel Igeltrockenfutter mit Katzennassfutter gemischt werden.

Was darf man Igeln nicht zum Fressen geben?

  • Obst
  • Gemüse

Darf man Igel Milch geben?

Nein. Die Säugetiere sind laktoseintolerant. Zwar schlecken die Insektenfresser an der Milch, doch das kann für die Tiere den Tod bedeuten. Zum Trinken kann Wasser in einer flachen Schale angeboten werden.

Umfangreiche Infos zur Igelhilfe – sofort Tipps erhalten

Sehr umfangreiches Informationsmaterial zum kostenlosen Download bietet pro-igel.de an.

Die Informationsschriften zur Igelhilfe können direkt auf dem Computer oder Handy angeschaut werden und sind übersichtlich in einzelne Themen aufgeteilt, wie zum Beispiel:

  • Wildtier Igel
  • Gefahr erkannt – Gefahr gebannt
  • Unterschlüpfe und Futterhäuser
  • Pflege hilfsbedürftiger Igel
  • Ernährung hilfsbedürftiger Igel
  • Aufzucht verwaister Igelsäuglinge
  • Hilfsbedürftige Jungigel im Herbst
  • Winterschlaf in menschlicher Obhut
  • Auswilderung von Igelpfleglingen
  • Rechtsvorschriften

Hinweis: Der Gesetzgeber verbietet die Entnahme von Wildtieren aus der Natur. Ein in Not geratenes und hilfsbedürftiges Tier darf selbstverständlich zum Aufpäppeln aufgenommen werden. Beachten Sie deshalb in der vorigen Aufzählung die Informationsschrift “Rechtsvorschriften”.
Igel

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