Wie belastbar ist der Fußboden oder die Zimmerdecke

Wie belastbar ist eine Zimmerdecke?

Sicher haben viele Menschen schon mal darüber nachgedacht, sich ein Wasserbett anzuschaffen oder womöglich ein großes Aquarium. Bei einem solchen Gedanken stellt man sich natürlich auch die Frage, wie belastbar der Fußboden, bzw. die darunter liegende Zimmerdecke ist. Hält sie in Sachen Belastbarkeit Stand, wenn ein derart hohes Gewicht auf ihr ruht? Oder muss man ernsthaft befürchten, dass die Decke aufgrund des hohen Gewichts von Bett oder Fischbecken durchkracht?
Wie belastbar ist eine Zimmerdecke?
Bei normaler Wohnungseinrichtung muss man sich hinsichtlich der Belastbarkeit der Zimmerdecke sicherlich keinen Kopf zerbrechen, dass die Decke bzw. der Fußboden unter dem Gewicht der Möbel zusammenbricht. Allerdings sieht es da bei schweren Möbelstücken wie Klavier, massiver Marmortisch, schwerer Safe, Whirlpool und anderen Einrichtungsgegenständen wie etwa ein schweres Bücherregal schon anders aus. Insbesondere die enorme punktuelle Belastung der Geschossdecke kann hier zum Problem werden, wenn die Statik nicht für hohe Gewichte ausgelegt ist.

Wie belastbar ist der Fußboden oder die Zimmerdecke

Wie hoch ist die Belastbarkeit einer Zimmerdecke?

Generell gibt es keine alpgemeingültigen Angaben, was die Tragfähigkeit einer Zimmerdecke anbetrifft. Zunächst einmal kann das Baujahr des Gebäudes eine grobe Einschätzung auf die Tragfähigkeit der Zimmerdecke zulassen.

Um diese Frage zu klären, muss zwischen Gebäuden vor und nach 1900 unterschieden werden. Ab dem Jahr 1900 müssen Zimmerdecken derart ausgelegt werden, dass die Belastbarkeit bei wenigstens 250 Newton/m² beansprucht werden kann.

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Grundsätzlich keine schweren Lasten auf Holzbalkendecken

Bei jüngeren Gebäuden, die nach 1900 errichtet wurden, gibt es zumindest diesen Richtwert, der zugrunde gelegt werden kann. Diese Belastbarkeit sollte für die meisten Einrichtungsgegenstände ausreichend sein. Bis in die 1950er Jahre waren noch Holzbalkendecken standardmäßig in Wohnhäusern verbaut. Bei Zimmerdecken aus Holzbalken sollten schwere Einrichtungsgegenstände prinzipiell vermieden werden. Diese sind nicht für schwere Lasten ausgelegt und können bei Überbelastung einstürzen.

Auch bei älteren Betondecken ist Vorsicht geboten

Häuser, die vor 1945 erbaut wurden, sind in Leichtbauweise gefertigt. Erst in der Nachkriegszeit etablierten sich stärkere Betondecken mit großzügiger Materialstärke. Zunächst wiesen Betondecken eine Stärke von ca. 12 bis 14 Zentimeter auf. In der jüngeren Zeit liegt die Deckenstärke meist in einem Bereich von 18 bis 20 Zentimeter, so dass die Zimmerdecken weitaus robuster und auf eine höherer Traglast ausgelegt sind.

In etwa kann von einer Nutz- bzw. Verkehrslast von etwa 150 bis 200 kg pro 1 Quadratmeter ausgegangen werden – schließlich muss die Bausubstanz so ausgelegt sein, dass beispielsweise auch schwere Menschen sich sicher in einer Wohnung aufhalten und bewegen können.

Tipp: Bei einem Gewicht von über 500 kg sollte stets sorgfältig recherchiert werden, ob die Zimmerdecke belastbar genug ist.

Keine schweren Lasten auf ausgebautem Dachboden aufstellen

Wer im Eigenheim den Dachboden ausgebaut und zum Wohnraum umfunktioniert hat, sollte unbedingt davon absehen, hier ein schweres Möbelstück aufzustellen. Auch, wenn die Zwischendecken äußerst belastbar sind, gilt dies in aller Regel nicht für den Dachboden, insofern dessen Statik beim Bau des Hauses nicht als Boden für bewohnbaren Raum ausgelegt wurde.

Niedrigere Stabilität der Zimmerdecke bei Spitzböden

Handelt es sich bei dem Raum um einen Spitzboden mit einer Dachraumhöhe bis maximal 1,8 m, sollten Sie wissen, dass dieser allenfalls für eine Belastung von 102 kg/m² ausgelegt ist. Auf keinen Fall sollte hier ohne Hinzuziehung eines Statikers schweres Mobiliar aufgestellt werden.

Sonderfall Balkon: Wie schwer darf er belastet werden?

Wer einen großen Balkon zur Verfügung hat und die Sommermonate dazu nutzen möchte, auf dem Balkon für eine abkühlende Erfrischung zu sorgen, kommt vielleicht auf die Idee, ein Planschbecken oder einen Whirlpool auf den Balkon zu stellen. Vorsicht!

Zwar sind Balkone bei jüngeren Gebäuden meist für eine Traglast von 500 kg/m² ausgelegt. Doch ein gefülltes Planschbecken kann selbst bei einem Neubaubalkon schnell die zulässige Flächenlast überschreiten.

Tragkraft reicht meist für moderne Wasserbetten

Ein normales Doppel-Wasserbett wie etwa von Wasserbettwelt wiegt ungefähr 800 kg, die sich über die Bausubstanz des Fußbodens auf ca. 10 Quadratmeter verteilen. Das Gewicht eines Wasserbettes setzt sich zusammen aus ungefähr 50 kg für die Matratze und Bettrahmen sowie circa 750 kg Wasserfüllung. Insofern bliebe bei Gebäuden, die nach 1900 gebaut wurden, innerhalb des Rahmens der Belastungsgrenze. Wird das Wasserbett in einem Zimmerwinkel angrenzend an zwei tragende Wände aufgestellt, kann dies ebenfalls für Entlastung sorgen.

Ein guter Vergleich ist, wenn man sich 10 Personen mit einem Durchschnittsgewicht von um die 80 kg vorstellt. Diese können aller Regel nach problemlos sich in einem Raum auf enger Fläche aufhalten, ohne dass ernsthaft mit dem Durchbrechen der Zimmerdecke gerechnet werden muss. Bei älteren Gebäuden kann es in der Tag zu Problemen mit der Statik kommen, wenn ein schweres Wasserbett aufgestellt werden soll. Durchaus könnten Baupläne Aufschluss geben, wobei es generell aber eher schwierig ist, an diese heranzukommen.

Allerdings kommt es beim Aufstellen eines Wasserbetts auch auf weitere Faktoren an. Nicht alleine das Wasser darf zugrunde gelegt werden. Wichtig ist auch, bei der Gewichtsermittlungen Bettrahmen, weiteres Bettzeug sowie das Gewicht der Schläfer einzubeziehen. Nur, wenn tatsächlich das Gesamtgewicht bei maximaler Belastung herangezogen wird, kann abgeschätzt werden, ob die Zimmerdecke belastbar genug ist.

Klavier und Flügel: Zu schwer für die Zimmerdecke?

Die Musikinstrumente bringen je nach Ausführung ein Gewicht von 300 kg bis 600 kg auf die Waage. Hinzu kommt das Körpergewicht des Klavierspielers sowie das des Klavierhockers. Im Normalfall sollte die Zimmerdecke diesem Gewicht standhalten. Beim Kauf eines Klaviers oder Flügels sollte im Zweifelsfall beim Hersteller des Musikinstruments nach dem Gewicht gefragt werden.

Schweres Bücherregal – ist das Gewicht ein Problem für den Fußboden?

Ein volles Bücherregal hat ein enormes Gewicht. Hinzu kommt das nicht unerhebliche Eigengewicht eines robusten und tragfähigen Regals, welches mit dicken Regelböden speziell für Bücher ausgelegt ist. Da Bücherregale meist an einer Wand aufgestellt und darüber hinaus auch an der Wand befestigt werden, kann davon ausgegangen werden, dass die Zimmerdecke ausreichend belastbar für die Bibliothek zuhause ist.

Bei Altbauten mit Holzbalken ist in der Regel keine ausreichende Deckenkonstruktion für derart schwere Lasten gegeben – auch dann nicht, wenn das Bücherregal wandnah aufgestellt und zur Befestigung in die Wand gedübelt wird.

Aquarium: Wie belastbar ist die Zimmerdecke?

Möchte man ein Aquarium in der Wohnung aufstellen, ist ab einer gewissen Größe stets Vorsicht angebracht. Es reicht keinesfalls aus, das Gewicht des Wasserbeckens grob zu überschlagen. Häufig wird lediglich die Wassermenge des Aquariums bei der Abschätzung einbezogen, ob die Zimmerdecke ausreichend belastbar ist.

Zwingend muss eine möglichst genaue Kalkulation erfolgen, bei der nicht nur die Wassermenge, sondern auch

  • das Gewicht des Aquariums selbst
  • schwere Einrichtungsgegenstände des Aquariums (dekorative Steine)
  • sowie Aquarium-Unterschrank
  • und Aquariumtechnik

in die statische Berechnung mit einfließen. Bei einem herkömmlichen größeren Aquarium sollte die Zimmerdecke belastbar dafür sein. Problematisch kann es werden, wenn in einem Raum mehrere große Aquarien aufgestellt werden. Dann ist das Heranziehen eines Statikers immer zu empfehlen.

Gewichtsverteilung spielt eine Rolle

Nicht nur das Gewicht von Wasserbett, Aquarium, Tresor, Bücherregal, Whirlpool usw. ist entscheidend ob die Zimmerdecke tragfähig genug ist, sondern auch die Verteilung des Gesamtgewichts. Je höher das Belastungsgewicht, umso größer sollte die Fläche auf dem Fußboden sein, auf der das Gewicht verteilt wird.

Durchaus hört man von Schilderungen, bei denen die Füße eines großen Aquariums durch die Zimmerdecke gestoßen seien, weil die punktuelle Belastung bei sehr schmalen Füßen einfach zu hoch war. Bei großen Fischaquarien, Klavieren und Safes sollte deshalb ein geeigneter Unterbau gewählt werden, der die Last optimal verteilt.

Im Bedarfsfall kann beispielsweise der schwere Safe auf eine Holzplatte gestellt werden, um für eine bessere Gewichtsverteilung zu sorgen.

Auch Faktoren wie die Nähe zu einer Zimmerwand oder das Aufstellen in einer Raumecke wirken sich begünstigend aus. Bestehen jedoch ernsthafte Bedenken, wenn man sich ein Wasserbett oder ein Aquarium anschaffen will, kann im Zweifelsfall nur ein Statiker bzw. ein Tragwerkplaner klären, ob die Belastbarkeit der Bausubstanz ausreichend tragfähig ist.

Tipp für Mieter: Beim Vermieter nachfragen

Besteht hinsichtlich der Deckenkonstruktion Unsicherheit, ist für Mieter der Vermieter die erste Anlaufadresse. Er weiß sehr wahrscheinlich über die Bausubstanz und die Statik des Gebäudes Bescheid oder kann Einsicht in den Bauplan geben. Liegt ein gutes Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter vor, besteht oft die Möglichkeit, dass der Mieter eine Kopie des Bauplans erhält und auf eigene Kosten einen Bausachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragen kann.

Bei Neubau gleich an hohe Traglasten denken

Wer als Bauherr eine Bibliothek oder einen schweren Tresor in die Baupläne integriert, muss sich keine Sorgen machen und kann nach Herzenslust den Neubau einrichten. Denn angehende Bauherren haben einen klaren Vorteil: Sie können bereits in der Planungsphase des Eigenheims den Architekten beauftragen, bei der Statik besonders tragfähige Zimmerdecken einzuplanen, wenn absehbar ist, dass man ein großes Aquarium, einen Whirlpool oder gar einen Swimmingpool im Haus haben möchte.

Schwere Einrichtungsgegenstände: Auf den Bodenbelag achten

Neben der Tragfähigkeit der Zimmerdecke sollten insbesondere Mieter beim Einrichten auf den Bodenbelag achten. Einrichtungsgegenstände mit schwerem Gewicht können den Fußboden deformieren. Dies kommt häufig vor, wenn Standfüße von Klavier, Aquariumschrank oder Bettpfosten eines Wasserbetts eine hohe punktuelle Belastung auf den Untergrund ausüben.

Um Dellen im Boden zu vermeiden, können Holzbretter untergelegt werden, die etwas größer als die Standbeine sind. So wird einerseits eine Beschädigung des Fußbodens verhindert. Anderseits wird auch die punktuelle Belastung auf eine größere Fläche verteilt, wodurch die Stabilität der Zimmerdecke entlastet wird.

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